„Ich will Vorbild sein“

von Ozan Önal

Okan Ersoy hat einen angesehenen Job: Der 32-jährige ist Jurist und arbeitet für die Rechtsanwaltskanzlei Deinhofer, Petri und Wallner. Warum er Rechtsanwalt werden will, hat er ECHO erzählt.

Rechtsanwalt ist ein ungewöhnlicher Beruf für einen Türken, der in Österreich lebt. Magister Okan Ersoy will es werden und ist auf dem besten Weg. Er beweist dadurch, dass es auch ausländischen jungen Leuten möglich ist, einen solchen Beruf auszuüben. „Ich habe immer davon geträumt, als Rechtsanwalt tätig zu sein,“ sagt der junge Jurist. In Istanbul hat Okan das österreichische Gymnasium St. Georg besucht. Er wollte unbedingt Jus studieren, weil er von Familienmitgliedern so beeindruckt war: Sein Vater und seine Onkels waren Rechtsanwälte in der Türkei. „Bei den Familienversammlungen begeisterten sie mich. Jedes Mal saß ich mit ihnen zusammen und hörte mir ihre Gespräche an“, sagt Okan. So entschied er sich, in Wien zu studieren. Es war ihm bewusst, dass er es nicht leicht haben würde, Er konnte zwar sehr gut Deutsch, aber die Gesetze in einer anderen Sprache zu lernen, war schwierig.

Okan hat in Wien und in Salzburg studiert – und nach fünf Jahren abgeschlossen. Nach seinem Studium folgten die Monate der Gerichtspraxis, die er mit Erfolg meisterte. Nun arbeitet Okan für die Rechtsanwälte >b>Deinhofer, Petri und Wallner: „Ich unterstütze die Anwälte insbesondere was türkische Fragen angeht.“ Nun hofft er, bald eine Stelle als Rechtsanwaltsanwärter antreten zu können. „Ich muss fünf Jahre lang als solcher für eine Kanzlei arbeiten, um später einmal meine eigene Kanzlei zu eröffnen zu können.“

Die Kanzlei Deinhofer, Petri und Wallner existiert seit zehn Jahren und hat sich spezialisiert auf Bau- und Immobilienrecht, Wirtschafts-, Ausländer- und Wohnungsrecht sowie auf Bankangelegenheiten. „Es ist für mich sehr wertvoll, mit erfahrenen Anwälten zusammen zu arbeiten“ meint der 32-jährige Okan.

Nebenbei studiert er an der Donau Universität Krems Europäisches Wirtschaftsrecht und ist zudem fast fertig mit seinem Doktoratstudium. „Es leben sehr viele Türken in Europa und die meisten von ihnen haben keine Ahnung im Bereich europäisches Wirtschaftsrecht. die rechtlichen Grundlagen kennen sie kaum. Und wenn irgendwann mal die Türkei EU-Staat wird, könnte ich meine Erfahrungen einsetzen“, sagt er. Deshalb habe er sich auf europäisches Wirtschaftsrecht spezialisiert. „Außerdem hoffe ich, dass ich für die ausländischen Jugendlichen ein gutes Vorbild werden kann.“.

Freitag, 27.02.2004, ECHO, Seite 15