“Rocket”-Lebensversicherungen der ERGO auf dem Prüfstand

Wie in zahlreichen Medienberichten [1] bereits zu lesen war, stehen AnlegerInnen, die „Rocket“-Lebensversicherungen der ERGO Versicherung AG erworben haben, unter Umständen vor großen Problemen. Diese Versicherungsprodukte, die dazumal unter hundertprozentiger Kapitalgarantie mit vergleichsweise hoher Verzinsung beworben wurden, sind nämlich mit einer einzigen Anleihe unterlegt – einer Anleihe, die von der Österreichischen Volksbanken-AG (ÖVAG) emittiert worden war.

Dieses Konstrukt nennt sich „indexgebundene Lebensversicherung“, die im Vergleich zu einer klassischen Lebensversicherung mit einem höheren Risiko behaftet ist, weil ihr Wert an einen Börsenindex gekoppelt ist, der sehr volatil sein kann. Die „Rocket“-Versicherungen wurden, wie bereits erwähnt, mit einer ÖVAG-Anleihe unterlegt, die an einen solchen Index gebunden ist. Garant der Kapitalzusage – und dies wurde zumeist nur kleingedruckt auf den Werbeprospekten angeführt – war aber die ÖVAG selbst, also die Emittentin der Anleihe, nicht das Versicherungsunternehmen. Eine solche Garantie ist aber letztlich wertlos und überflüssig, da der Emittent einer Anleihe immer mit einem Insolvenzrisiko behaftet ist, welches sich vorliegend ohne staatliche Rettung sogar verwirklicht hätte.

Was bisher geschah

Die ÖVAG gibt es mittlerweile nicht mehr, denn Anfang Juli 2015 wurde ihre Spaltung in eine Good Bank, die nun in der Volksbank Wien-Baden aufgeht, und eine Bad Bank, die sogenannte immigon portfolioabbau ag, besiegelt. Letztere führt keine neuen Bankgeschäfte durch, ist eine reine Abbaugesellschaft und nunmehr auch Schuldnerin der ÖVAG-Anleihen, die den Rocket-Versicherungen zugrunde liegen. Ob jedoch immigon die Anlegergelder zurückzahlen wird können, ist fraglich.

Im Juli 2015 startete immigon ein Rückkaufangebot, das primär an institutionelle Anleger adressiert war. ERGO leitete dieses Angebot an ihre betroffenen Versicherungskunden weiter und stellte sie vor die Wahl: weiter am Vertrag festhalten, das Rückkaufangebot annehmen oder ein höheres Gegenangebot zum Marktpreis stellen. [2] Da immigon die Fristen für eine mögliche Annahme des Angebots relativ kurz angesetzt hat, musste die Entscheidung schnell getroffen werden. Schlussendlich haben nur 14% der rund 14.000 Betroffenen das Rückkaufangebot angenommen. [3] ERGO zufolge hat immigon jedoch schon angekündigt, ein weiteres, speziell für Privatkunden zugeschnittenes Rückkaufprogramm zu starten. [4]

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) prüft derzeit in einer Sammelaktion Ansprüche der möglicherweise Geschädigten gegen unterschiedliche Haftungsadressaten. [5] Nicht nur war die gehaltlose Garantiezusage eine Art von Täuschung unbedarfter AnlegerInnen, die Konstruktion des Versicherungsproduktes selbst ist fragwürdig: Entwickelt und verkauft worden waren die „Rocket“-Lebensversicherungen nämlich von der Victoria Volksbanken Versicherung, also der hauseigenen Versicherung der Volksbanken-Gruppe, die im Jahr 2011 eben von ERGO übernommen wurde. Es liegt der Verdacht nahe, dass die ÖVAG, deren Finanzlage sich zwischen 2005 und 2011 drastisch verschlechterte [6], frisches Geld von Kunden ihrer hauseigenen Versicherung einsammelte, um Lücken in ihrem porösen Budget zu stopfen und dabei ein geschöntes Produkt, eben die „Rocket“-Lebensversicherungen, verwendete. Sicherheit für die Rückerstattung des investierten Kapitals bot den AnlegerInnen jedoch nur die ÖVAG selbst.

Für betroffene AnlegerInnen ohne Rechtsschutzversicherung empfiehlt sich ein Anschluss an der Sammelaktion des VKI. AnlegerInnen mit Rechtsschutzversicherung sollten ihre Ansprüche individuell geltend machen. Bitte kontaktieren Sie bei Interesse eine/n unserer JuristInnen oder senden Sie ein email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


[1] Siehe bspw.:
http://kurier.at/wirtschaft/finanzen/ergo-versicherung-schockiert-kunden/142.871.503
http://kurier.at/wirtschaft/finanzen/vki-sammelt-schaeden-der-ergo-kunden/143.059.631
http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/newsletter/4782662/
ErgoLebensversicherungsKunden-zittern-um-ihr-Geld-VKI-pruft-Klage 
[Nicht mehr online verfügbar – Artikel im Webarchiv]
http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/newsletter/4783078/
Lebensversicherung-Rocket-Welche-Moglichkeiten-ErgoKunden-nun-haben 
[Nicht mehr online verfügbar – Artikel im Webarchiv]

[2] https://www.ergo-austria.at/service/ihre-verbindungen-zu-uns/kundenservices/sonderinformation/

[3] http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/newsletter/4801688/
ExOVAGBondRuckkauf_Fur-ErgoPrivatkunden-vollig-ungeeignet
[Nicht mehr online verfügbar – Artikel im Webarchiv]

[4] https://www.ergo-austria.at/service/ihre-verbindungen-zu-uns/kundenservices/sonderinformation/

[5] https://verbraucherrecht.at/cms/index.php?id=2415

[6] http://www.format.at/wirtschaft/wksta-ermittlungen-oevag-5541707