Vom "Fonds" blieben nur die leeren Büros

Mit Immobilien- und Schiffsfonds verdienten Vermittler jahrelang hohe Provisionen. Jetzt rollt die Klagswelle - und die Banken zittern. Denn in manchen Fällen ist den Anlegern die Art ihres "Investments" nicht bewusst.

 

Acht bis zehn Prozent jährlicher Nettoertrag - so lautete im Jahr 2003 die Verheißung des "Rendite-Fonds Holland 44", der als "Immobilienfonds" beworben wurde. "Sicherheitshalber: Holland 44" stand als Titel auf dem bunten Prospekt. Ein Grazer Rentner-Ehepaar - der Mann hatte soeben seine Abfertigung erhalten - schlug zu. Beide erwarben um je 17.000 Euro Anteile.

Doch das Investment war in Wirklichkeit kein Fonds und es hatte auch nur indirekt mit Immobilien zu tun. Rechtlich wurden die Anleger vielmehr Kommanditisten der 44. Sachwert Rendite Holland GmbH & Co KG, also Miteigentümer einer Firma. Sie waren - unwissentlich, wie sie behaupten - zu Unternehmern geworden und trugen bis zur Höhe ihrer Kommanditeinlage das Firmenrisiko, das ab 2008 im Zuge der Finanzkrise schlagend wurde.

Die schmucken Bürogebäude in den holländischen Städten Amstelveen, Groningen und Zaandam, von denen im Prospekt die Rede war, gehören zwar wirklich der Firma. Aber sie stehen zum Teil leer, die Mieterträge stocken. Seit 2011 gab es keine Ausschüttungen mehr. Verdient haben die Vermittler und Fondsmanager, die in ähnlich gelagerten Fällen laut Gutachten bis zu 28 Prozent an "Weichkosten" für Vertrieb, Auflage und Management der Fonds kassierten.

Herumschlagen mit dem heiklen Fall muss sich derzeit die BKS Bank, die die Anleger beraten hatte und vom Grazer Anleger-Anwalt Arno F. Likar nun geklagt worden ist. Falschberatung lautet der Vorwurf, die Bank bestreitet das. Man habe immer auf das Risiko hingewiesen.

Weit mehr als 10.000 ähnlich gelagerte Fälle dürfte es bundesweit geben. Allein die Firma Münchmeyer Petersen Capital (MPC) legte in Deutschland und Österreich mehr als 100 geschlossene Immobilienfonds auf, wie Ex-MPC-Vorstandsmitglied Guido W. als Zeuge vor Gericht aussagte. Tausende Kunden haben sich jetzt an diverse Anwälte gewandt, weil sie sich völlig falsch beraten fühlen. Das Besondere an diesen Fällen: Die Kunden wurden nicht von schwindligen Agenten an der Haustür gekeilt, sondern von etablierten heimischen Banken zu Kundenveranstaltungen eingeladen. Eine BKS-Kundenbetreuerin gab dieser Tage als Zeugin vor dem Landesgericht Klagenfurt Einblicke in die Praxis: Man habe auf die Sparkonten der Kunden geschaut und jene, die hohe Guthaben hatten, gezielt zu Werbeveranstaltungen eingeladen.

Die BKS betont, man habe die Papiere nur einem eingeschränkten Kundenkreis "als Ergänzung" angeboten. Dem widerspricht Anwalt Likar: Seine Kläger hätten bei der BKS vorher nur ein Gehaltskonto gehabt.

Die Haltung der Banken ist uneinheitlich: Die Erste Bank hat mit dem Verein für Konsumenteninformation einige Vergleiche geschlossen, dabei wurden etwa 30 Prozent der begehrten Schadenssumme abgelöst. Der Wiener Anwalt Benedikt Wallner hat sowohl Klagen laufen als auch Vergleiche erzielt. In Graz haben die Anwälte Likar und Harald Christandl Dutzende Verfahren in Arbeit. Betroffen sind auch Raiffeisen- und Hypobanken, in manchen Fällen wurden stille Vergleiche mit Schweigepflicht geschlossen. Möglicherweise könnte die eigentliche Klagswelle noch anrollen, da sich nicht alle Anleger über die Natur ihres "Fonds"-Investments im Klaren sind.

Die Zeit wird freilich knapp: Es gilt eine dreijährige Verjährungsfrist ab dem Zeitpunkt, wo man die wahre Sachlage hätte erkennen können.

Quelle: Kleine Zeitung, 28.03.2014