Ärger mit Schiffsfonds

Rechtsstreit. Immer mehr Schiffsfonds sind in Seenot. Nun drohen Anlegeranwälte den Banken, die solche Produkte verkauft haben, mit rechtlichen Schritten.

Wien. Lange Zeit hieß es, dass Schiffsfonds primär ein deutsches Problem sind. Doch nun stellt sich heraus, dass auch viele Privatanleger in Österreich davon betroffen sind. „Die Leute wachen langsam auf", sagt Wilhelm Rasinger, Präsident des Interessenverbands für Kleinanleger (IVA). Nach einer langen Schrecksekunde sei das Thema nun bei uns angekommen.

 

Denn auch hierzulande haben viele Banken solche Produkte, die nun teilweise in Seenot sind, verkauft. Tausende Anleger fragen sich jetzt, was sie machen sollen. Allein in Österreich steckten Investoren bis zu 700 Millionen Euro in Container- und Kühlschiffe. Vor der Wirtschafts- und Finanzkrise lief das Geschäft hervorragend. Prognostiziert wurden Renditen von sieben bis 20 Prozent pro Jahr. Das Besondere an Schiffsbeteiligungen ist, dass es sich meist um geschlossene Anlageprodukte handelt. Die Laufzeit liegt zwischen zehn und 25 Jahren.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Investmentfonds können Investoren nicht so einfach aussteigen. Will sich jemand vor Ablauf der Bindefrist trennen, muss er in Krisenzeiten erhebliche Verluste in Kauf nehmen. Die Mindesteinlage lag zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Mit dem eingesammelten Geld kauften die Fondsgesellschaften ein oder mehrere Schiffe, diese wurden vermietet oder verchartert. Die Anleger erlangten den Status von Kommanditisten.

Kampf gegen Überkapazitäten

Kaum eine andere Branche profitierte so stark von der Globalisierung wie die Schifffahrt. Der Containermarkt wuchs dreimal schneller als die Weltwirtschaft.

Vor allem auf der Strecke zwischen Asien und Europa verzeichneten die Reeder hohe Wachstumsraten. Es wurden immer größere Schiffe gebaut. Manche Frachter waren über 400 Meter lang und 20 Stockwerke hoch. Doch dann kam die Krise, und der Boom war vorbei. Riesige Überkapazitäten sind die Folge. Allein in Deutschland flossen über 30 Milliarden Euro in Schiffsbeteiligungen. Viele Fondsgesellschaften gründeten auch in Österreich Vertriebsbüros und verkauften vor der Krise ihre Produkte über diverse Banken, die dafür hohe Provisionen kassierten.

Weltweit gingen einige Fonds pleite, andere kämpfen ums Überleben. Mit dem MPC-Schiffsfonds MS „Merkur Sky" ist auch ein Fonds, der sich primär an österreichische Anleger richtete, insolvent. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Anleger hier sehr viel Geld zurückbekommen werden", sagt Anwalt Johannes Edthaler von der Kanzlei Poduschka.

Soll man Geld nachschießen?

Bei anderen Fonds wurden Anleger gebeten, Geld nachzuschießen oder bereits erhaltene Ausschüttungen zurückzuzahlen.

Rasinger vom Interessenverband für Anleger glaubt, dass die Klagschancen gegen die Fondsgesellschaften nicht allzu groß sind. Es müsste aber gelingen, gegen die Verkäufer der Fonds im Sinne der Beraterhaftung vorzugehen.

Für den Wiener Anlegeranwalt Benedikt Wallner gibt es im Falle des insolventen Fonds MS „Merkur Sky" verschiedene Ansatzpunkte. Zunächst sieht er eine Verantwortung der österreichischen Banken, über die rund 75 Prozent der Anleger ihre Beteiligung erworben haben. „Die Beratung der Anleger war in den mir bisher bekannten Fällen immer unzureichend. Weder die Funktionsweise der Schiffsmärkte noch die daraus für eine Beteiligung an einem Schiffsfonds resultierenden vielfältigen Risken wurden den Anlegern aufgezeigt."

Zudem behauptet Wallner, dass die Österreicher ein altes Schiff fast zum Neubaupreis erhalten haben. Auf den im „langfristigen Vergleich völlig überteuerten Preis" hätten die Anleger in der Beratung hingewiesen werden müssen. Wallner arbeitet in der Causa mit einem deutschen Anwalt zusammen. Beide sehen „Ungereimtheiten" im Fondsprospekt.

MPC weist Vorwürfe zurück

Kurt Cowling, MPC-Repräsentant in Österreich, weist die Vorwürfe zurück. Seiner Ansicht nach werden die Probleme überzogen dargestellt. Von den elf Fonds, die MPC in Österreich vertrieben habe, sei mit „Merkur Sky" nur ein Fonds insolvent, bei zwei Fonds wird um einen Nachschuss gebeten. Cowling: „Bei einem weiteren Fonds gibt es Fragezeichen. Aber alle anderen Fonds laufen." Neben MPC gab es noch viele andere Gesellschaften, die in Österreich solche Produkte angeboten haben.

Auf einen Blick

Vor der Finanz- und Wirtschaftskrise gehörten Schiffsfonds zu den Lieblingen der Investoren. Internationale Fondsgesellschaften sammelten auch bei österreichischen Privatanlegern Geld ein. Die Produkte wurden meist über Banken vertrieben, die dafür hohe Provisionen kassierten. Bei Schiffsfonds handelt es sich um geschlossene Fonds. Sobald alle Anteile verkauft sind, wird der Fonds geschlossen. Ein vorzeitiger Ausstieg während der langen Laufzeit ist schwierig. Die Wirtschaftskrise macht nun einigen Fonds schwer zu schaffen. Mit MS „Merkur Sky" ist ein Fonds, der sich an österreichische Anleger richtete, insolvent. Anlegeranwälte gehen gegen jene Banken vor, die solche Produkte verkauft haben. Sie behaupten, dass Investoren nicht über alle Risken informiert worden sind.

Quelle: Die Presse, Christian Höller, Print-Ausgabe, 25.02.2013