Schiffsfonds: Anleger kämpfen mit Millionenschaden

MPC Capital erwartet Strafanzeige - Kolportierter Schaden 700 Mio. Euro

Containerschiff: Anleger bereuen Investments

Wien (pte003/21.02.2013/06:10) - Rund 100.000 österreichischen Fonds-Anlegern drohen aufgrund der stark rückläufigen Charterraten von Containerschiffen herbe Verluste. Insgesamt sollen laut Medienberichten circa 700 Mio. dem Untergang geweiht sein. Kurt Cowling, Vorstand der MPC Capital Austria mpc-capital.at widerspricht dem im Gespräch mit pressetext. "Diese Zahl stimmt bei weitem nicht."

Es gebe zwar keine fundierten Daten über den österreichischen Markt, doch er schätzt, dass sich die Summe auf rund die Hälfte beläuft. "Das ist noch immer ein sehr hoher Betrag", wie Cowling betont, der die Situation nicht schön reden will. MPC muss sich derzeit schwere Vorwürfe gefallen lassen. Die Firma weist sie aber auf das Schärfste zurück. Zivilklagen und Starfanzeigen dürften jedoch schon bald an das Unternehmen adressiert werden. Auch in Deutschland waren Schiffsfonds unlängst der Grund für ähnlich negative Schlagzeilen (pressetext berichtete: pte.com/news/20120709009).

Empfehlung: Kapital nachschießen

Erst kürzlich hat eine Anlegerveranstaltung in Wien für viel Zündstoff gesorgt. Der in dramatische Schieflage geratene "Reefer Flottenfonds I" von MPC braucht eine Finanzspritze von elf Mio. Euro. Den zumeist älteren Anlegern wurde nahegelegt, bereits erhaltene Ausschüttungen zu reinvestieren oder frisches Kapital nachzuschießen. "Unser Ziel ist es, mit dieser Überbrückung den drohenden Verlust weitestgehend zu reduzieren", so Cowling. Sollte diese Überbrückung allerdings nicht gelingen, sei die Verlustgefahr relativ hoch, gibt er zu.

Doch nicht nur die Containerschiffe kämpfen mit den hohen Wellen der Wirtschaftskrise, auch die Optik in dieser Causa ist schief. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin Format kritisiert Michael Trimmel, "dass in all den Jahren, in denen wir keine Auszahlung bekommen haben", MPC die vollen Prämien kassiert hätte. Der Versicherungsangestellte hat in den Schiffsfonds 30.000 Euro als Vorsorge für seine Kinder investiert. Das Österreich-Geschäft von MPC befindet sich aus Kostengründen gerade in Liquidation. Künftig wird man in Wien nur mehr eine Repräsentanz unterhalten.

Kapitalmarktprospekt in der Kritik

Auch das von MPC emittierte Containerschiff "Merkury Sky" hat das Ersparte vieler kleiner Anleger zunichte gemacht. Insgesamt waren es 14 Mio. Euro von knapp 600 Österreichern. Die Beteiligungsgesellschaft, in der unter anderem die "Merkury Sky" beherbergt war, ist mittlerweile insolvent. Die Fixcharterrate des Schiffes hat sechs Jahre lang 29.000 Dollar pro Tag betragen. Im April 2011 ist diese jedoch ausgelaufen. Aufgrund der wirtschaftlich bedingten geringeren Auslastung betrug die Spotmarktrate letztendlich nur mehr 6.750 Dollar pro Tag, wodurch das Darlehen nicht mehr bedient werden konnte. Die Lage habe sich im Zuge der globalen Finanzkrise dramatisch geändert, so Cowling.

In Gutachten wird kritisiert, das damals aufgelegte Kapitalmarktprospekt habe Unstimmigkeiten aufgewiesen. Das Schiff war zum Zeitpunkt des Kaufes 2006/07 bereits zehn Jahre alt, wurde aber dennoch um 36,5 Mio. Euro gekauft - ein Preis, der beinahe einem neuen Kahn entspricht. Cowling dazu: "Der Preis war damals absolut marktkonform. Der technische Zustand war perfekt und die Ertragsaussichten gut." Vonseiten der Anleger wurde bereits eine Klage gegen den Prospektkontrolleur, den Wirtschaftsprüfer Interfides, eingebracht.

Beratung auf dem Prüfstand

Neben MPC und Interfides befinden sich vor allem die vermittelnden Banken im Visier der Anleger-Anwälte. Einer von ihnen, Benedikt Wallner, rät den Geschädigten zu raschem Handeln, da die Fälle sonst verjähren könnten. Gegenüber pressetext meint Cowling: "Einzelfälle gibt es sicher, aber ich bin der Meinung, dass der absolute Großteil der Banken gut beraten hat." Die Anleger-Anwälte würden das Kind mit dem Bade ausschütten, indem sie von Einzelfällen ausgehend auf die ganze Branche schließen.

Angesprochen auf die drohenden Verfahren sagt der MPC-Vorstand, man könne vonseiten der Gesellschaft erst dann sachlich argumentieren, sobald die Vorwürfe konkrete Formen annehmen. Schiffsfonds haben sich über mehrere Jahre gut bewährt. MPC hat laut eigenen Angaben bis zum Beginn der Krise 16 Beteiligungen stets im Plus abgeschlossen.

"Wir haben uns von der Produktseite her nichts vorzuwerfen. In wirtschaftlicher Hinsicht werden sich Angebot und Nachfrage bei Containerschiffen 2014 wieder einpendeln. Ich glaube, 2015 und 2016 werden wir dann deutliche Aufwärtsbewegungen sehen", gibt sich Cowling optimistisch. Zahlreiche Anleger haben indes den Glauben an ihre getätigten Investitionen verloren.

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